Kaffeehausgespräche

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Elefant und Ameise

Das Thema des gestrigen Kaffeehausgesprächs, das Öko-Buch, hat viele Salongäste angezogen und zu einer regen Diskussion geführt. Wie so oft hat sich auch diesmal gezeigt, dass es von der Literatur zu den ganz großen Fragen des Lebens nicht weit ist.

Den Auftakt machten meine Ausführungen zu Kleists Nachtigallen und blühenden Granatapfelbäumen in der Novelle „Das Erdbeben in Chili“, in der uns der Erzähler deutlich macht, dass eine literarische Naturidylle als Gegenbild zur menschlichen Gesellschaft eben nur das sein kann: Literatur. Als neueres Beispiel für eine Natur- und Gesellschafts-Utopie wurde Ernest Callenbachs „Ökotopia“ genannt, aber auch an Rachel Carsons „Der Stumme Frühling“ wurde erinnert.

Die Behauptung, dass „Natur“ immer ein Produkt der menschlichen Wahrnehmung und Kultur sei, traf nicht auf ungeteilte Zustimmung, wohl aber die Annahme, dass es die Natur auch ohne den Menschen gäbe oder geben wird. Allgemeines Misstrauen herrschte, wenn ich das richtig sehe, gegenüber biologischen Rechtfertigungen von menschlichem Sozialverhalten.

Eine angeregte Unterhaltung entspann sich um die Frage, ob es gerechtfertigt sei, Tiere zu essen. Dazu passend präsentierte der Salonherr Detlef Thofern Textausschnitte aus dem Essay „Am Beispiel des Hummers“ von David Foster Wallace.

Ein kleiner Auszug aus weiteren Gedankenanstöße des gestrigen Kaffeehausgesprächs: Die aktuelle Darstellung von Landwirtschaft in Kinderbüchern und in der Werbung ist fern jeder Realität. Tiere die gegessen werden, sind in unserer Gesellschaft üblicherweise nicht mehr als solche in ihrer körperlichen Ganzheit oder auch nur in ihren genießbaren oder ungenießbaren Einzelteilen präsent. Rücksichtnahme auf die Mitkreatur ist auch eine Frage von Bildung. Für die Ameise ist ein Elefant ein Umweltzerstörer.
Ich danke allen Salongästen!

Es geht weiter am 17. März mit dem Thema “Gegenbücher. Die literarische Antwort”. Näheres bald hier im Blog oder per Newsletter.

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