Kaffeehausgespräche

Artikel-Schlagworte: „Lesevergnügen“

Angeregte Gespräche über den Zufall

Der Zufall hat uns am 15. April ein ausnehmend angeregtes Kaffeehausgespräch beschert. Es wurde über die Relevanz des philosophischen absoluten Zufalls in der Alltagserfahrung, über ärgerliche unglaubwürdige Zufälle in Büchern und über den Unterschied zwischen einem Zufall und einem literarischen Einfall diskutiert. Euripides‘ Idee, einen Gott auf die Bühne zu schicken (in einem Kran, Deus ex machina), der eine verworrene Geschichte doch noch zu dem erwarteten Ende bringt, löste Heiterkeit und bewundernde Zustimmung aus.

Zur Sprache kam auch die individuelle Definition von Literatur und die Frage nach dem Unterschied zwischen Unterhaltungsliteratur und „hoher“ Literatur. Wenn der Zufall als Konstruktionsprinzip in einem literarischen Werk völlig unbeabsichtigt wirkt, was sagt das über die literarische Qualität des Werks aus? Wenn einer Romanfigur ein Ohr abfällt, in einem anderen Roman einer Figur aber die Nase abgefallen ist, ist das dann Zufall? Und falls nicht, macht das beim Lesen einen Unterschied? Und überhaupt: Wie ist das mit dem Lesevergnügen, wenn man auf Überraschungen stößt?  Ist die Prämisse, alles, aber wirklich alles sei kontingent, zu anstrengend?

Wieder hat sich gezeigt, dass die vielfältigen Antworten auf die Fragen, die in den Kaffeehausgesprächen aufgeworfen werden, sich gegenseitig befruchten und eine interessante After-Work-Diskussion bei Kaffee und Wein ermöglichen.

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