Kaffeehausgespräche

Archiv für die Kategorie „Was war“

Text und Kontext

Im gestrigen Kaffeehausgespräch ging es wieder einmal um die ganz großen Fragen. Wie viel Kontext brauchen wir, um ein Buch verstehen und/oder genießen zu können? Was ist Intertextualität? Und: Sind Gegen- oder Antwortbücher immer nur von der Hoffnung auf Verkaufserfolg motiviert?

Unsere Salongäste haben sich auf das sperrige Thema eingelassen und ich danke sehr für die aufschlussreiche Diskussion!

Es geht weiter am 21. April mit dem Thema “Literatur in Ost und West. 20+ Jahr nach der Wende”

Elefant und Ameise

Das Thema des gestrigen Kaffeehausgesprächs, das Öko-Buch, hat viele Salongäste angezogen und zu einer regen Diskussion geführt. Wie so oft hat sich auch diesmal gezeigt, dass es von der Literatur zu den ganz großen Fragen des Lebens nicht weit ist.

Den Auftakt machten meine Ausführungen zu Kleists Nachtigallen und blühenden Granatapfelbäumen in der Novelle „Das Erdbeben in Chili“, in der uns der Erzähler deutlich macht, dass eine literarische Naturidylle als Gegenbild zur menschlichen Gesellschaft eben nur das sein kann: Literatur. Als neueres Beispiel für eine Natur- und Gesellschafts-Utopie wurde Ernest Callenbachs „Ökotopia“ genannt, aber auch an Rachel Carsons „Der Stumme Frühling“ wurde erinnert.

Die Behauptung, dass „Natur“ immer ein Produkt der menschlichen Wahrnehmung und Kultur sei, traf nicht auf ungeteilte Zustimmung, wohl aber die Annahme, dass es die Natur auch ohne den Menschen gäbe oder geben wird. Allgemeines Misstrauen herrschte, wenn ich das richtig sehe, gegenüber biologischen Rechtfertigungen von menschlichem Sozialverhalten.

Eine angeregte Unterhaltung entspann sich um die Frage, ob es gerechtfertigt sei, Tiere zu essen. Dazu passend präsentierte der Salonherr Detlef Thofern Textausschnitte aus dem Essay „Am Beispiel des Hummers“ von David Foster Wallace.

Ein kleiner Auszug aus weiteren Gedankenanstöße des gestrigen Kaffeehausgesprächs: Die aktuelle Darstellung von Landwirtschaft in Kinderbüchern und in der Werbung ist fern jeder Realität. Tiere die gegessen werden, sind in unserer Gesellschaft üblicherweise nicht mehr als solche in ihrer körperlichen Ganzheit oder auch nur in ihren genießbaren oder ungenießbaren Einzelteilen präsent. Rücksichtnahme auf die Mitkreatur ist auch eine Frage von Bildung. Für die Ameise ist ein Elefant ein Umweltzerstörer.
Ich danke allen Salongästen!

Es geht weiter am 17. März mit dem Thema “Gegenbücher. Die literarische Antwort”. Näheres bald hier im Blog oder per Newsletter.

Nicht ohne meine Kinderbücher

Das gestrige Kaffeehausgespräch – es war das 32. – war sehr gut besucht. Das Thema “Bücher der Kindheit” hat viele angesprochen, die Erinnerungen an die frühe Lektüre ist wohl bei allen, die gern lesen, sehr lebendig. Oder ist es umgekehrt und wir lesen gern, weil der erste Kontakt mit Büchern und Literatur so angenehm war?

Im Gespräch hat sich herausgestellt, dass auch Menschen, die mit wenigen Büchern aufwachsen, sich dem Lesen zuwenden können und dass es offenbar keine besondere Förderung für ein Interessensgebiet geben muss, um ein Kind für ein Thema zu begeistern.Vorlesen ist Zuwendung, aber sind Hörkassetten deshalb Zeichen der Verwahrlosung? Die nach literarischem Vorbild (z.B. “Emil und die Detektive”) gegründeten “Kinderbanden” litten, so habe ich gestern gelernt, gelegentlich unter dem Mangel an Bösewichtern in der näheren Umgebung.

Die Bandbreite der besprochenen Fragen war – wie meistens in unserem Salon – groß, die Meinungen sind vielfältig. Wie komplex das Thema “Literatur für Kinder” sein kann, zeigte sich bei der Frage, wie Grausamkeit (man dachte gemeinsam an die Märchen der Gebrüder Grimm, an Wilhelm Busch und den “Struwwelpeter”) wahrgenommen wurden. Ist Gewalt in der Literatur ein Ventil, mit dem sich der kleine, machtlose Mensch Luft macht? Wie auch immer: Literatur wirkt, und bei allen Salongästen steht auch heute noch das eine oder andere Buch der Kindheit im Regal.

Wir danken für die rege Teilnahme und freuen uns auf den nächsten Salonabend am 17. Februar 2011, Thema: Literatur und Ökologie. Näheres bald hier im Blog oder per Newsletter.

Romane und Duschgel

Das Kaffeehausgespräch zum Thema “Konsum” war für mich ein Höhepunkt und ein würdiger Abschluss dieses Salon-Jahres. Die angeregte Diskussion um Warenhäuser, Individualität und Uniformierung, Bücher als Geschenk und Markenartikel als Kommunikationsmittel hat meine Überzeugung befestigt, dass der Salon* auch heute noch das richtige „Format“ für bereichernde Gespräche ist. Wer hätte gedacht, dass sich aus dem Vergleich von Büchern mit Duschgel Überlegungen zu Fiktion und Realität bzw. Lüge und Wahrheit entwickeln würden?

Ich danke allen Salongästen, wünsche ruhige Feiertage und kündige an: Am 20. Jänner 2011 gibt es das nächste Kaffeehausgespräch, Thema: „Bücher der Kindheit“. Näheres hier im Blog oder per Newsletter.

*Die österreichische Lyrikerin und Journalistin Betty Paoli (1814-1894) sagt über den idealen Salon und konkret über den von Henriette Solmar (1794 – 1890) in Berlin: „Man unterhielt sich über die Tagesereignisse, man debattierte über Politik, Kunst und Literatur, nicht oberflächlich, wie der fälschlich gut genannte Ton es vorschreibt, nicht schwerfällig wie eine Pedanten-Versammlung, sondern mit der heiteren Unbefangenheit, die ein Attribut echter Bildung ist, ernst oder launig, wie die augenblickliche Stimmung es mit sich brachte.“ (Mehr dazu können Sie in meinem Text „Betty Paolis Luxusartikel vom 13. Juni 1867“ lesen.)

Abschweifungen vom Markt

Beim heutigen Kaffeehausgespräch ging es auch um Buchmessen - das war das angekündigte Thema. Aber die Dynamik des Salons war heute besonders stark.

Vielleicht liegts am Wetter. Die Frage danach, wann und wie Bücher zu Markte getragen (oder Druckbögen in Fässern zu Markte gerollt) wurden, war ein großer Schirm, unter dem sich Gespräche unter anderem über die Tagebücher von Fritz J. Raddatz und die Misere der öffentlichen Leihbibliothek versammelten.

Das nächste Mal, am 16. Dezember, widmen wir uns den bevorstehenden Feiertagen entsprechend dem Thema “Das Leben als Konsum”. Näheres hier im Blog oder per Newsletter.

Fremd- und Eigenängste

Das Thema “Das politische Buch” hat im Salon zu einer angeregten Diskussion über Ressentiments und Reflexion geführt. Die Salongäste sprachen über die Berechtigung vereinfachender Thesen, die Gefahr der Verhetzung und über ihre eigenen (Vor)Urteile.

Dabei hat sich für mich (wieder einmal) gezeigt: Eine Diskussion über Bücher kann zu einer Differenziertheit der Argumentation beitragen, die im Alltagsgespräch und massenmedial nicht möglich ist. Ich hoffe, dass die Kaffeehausgespräche noch viele Abende dieser Art hervorbringen und bedanke mich sehr herzlich bei allen Gästen und bei dem Impulsgeber Detlef Thofern.

Im November geht es weiter mit einer Rückschau auf die Buchmesse. Näheres bald hier im Blog oder per Newsletter.

Von Physis und Metaphysik

Gestern hat sich eine illustre Runde im Kulturcafé Chavis eingefunden, um über erotische Literatur und Liebesdichtung zu reden bzw. um zuzuhören. Den Auftakt machte ein Definitions- und Abgrenzungsversuch (was ist Erotik, was ist Pornographie, was ist Liebe..?) und eine Lesung aus dem romantischen Fragment Lucinde von Friedrich Schlegel. Von dort war es dann nicht weit zu Rosamund Pilcher, Ingo Schulze, Anaïs Nin, Henry Miller und zur Vampir-Trilogie von Stephenie Meyer. Die Themen der Diskussion umfassten unter anderem: Erotik als Gesellschaftskritik, die Schwierigkeit Tabus zu brechen, Sex als Verkaufstrick, Bücher mit “Stellen”…

Herzlichen Dank an alle Salonbesucher!

Es geht weiter am 19. August, dann zum Thema “Der Essay als literarische Form”. Näheres bald hier im Blog. Oder Sie lassen sich in die Mailingliste für den monatlichen Newsletter eintragen.

Weite Felder

Und wieder einmal ging es in einem Kaffeehausgespräch um Gott und die Welt: Das Thema Jedermann hat uns vom Tod über den Glauben zum Geld und zurück geführt. Terry Pratchett kam auch vor, und Heinrich Heine. Dank an die Gäste des Salons!

Das nächste Mal wird es heiß: 22. Juli, Thema: Erotik. Näheres im Blog oder per Newsletter.

Jubiläum!

Heute vor zwei Jahren hat das erste Kaffeehausgespräch stattgefunden. Seither haben sich Literatur- und Buchinteressierte in diesem Kreis einundzwanzig Mal getroffen, um sich über Tiere, das Internet, Höhlenbewohner, Utopien und andere Themen zu unterhalten.

Aus Utopien wurde das Kommunistische Manifest

Beim heutigen Kaffeehausgespräch ging es um Utopien und Dystopien. Aus meiner Lektüreempfehlung (Karl Marx und Friedrich Engels: “Manifest der Kommunistischen Partei”, 1848) entspann sich ein überaus angeregtes Gespräch über die Möglichkeit, Utopien zu verwirklichen. Ist Neid angeboren? Fehlt es an Vorbildern? Können mit Verbesserungen im Kleinen ganze Gesellschaften verändert werden, oder braucht es dazu eine Revolution? Über Literatur wurde auch gesprochen.

Danke an die Teilnehmerinnen und den Teilnehmer für den interessanten Austausch!

Der nächste Salon findet am am 22. April statt und widmet sich der Ratgeberliteratur.

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