Kaffeehausgespräche

Archiv für die Kategorie „Was war“

Über Anfänge und Gründe

Am Freitag haben sich die Kaffeehausgespräche dem Thema „Anfänge“ gewidmet. Eine illustre Runde hat sich Gedanken darüber gemacht, wie man zum Lesen kommt und warum man liest. Wir haben über das Erzählen von Geschichten in der Steinzeithöhle gesprochen und darüber, ob Geschichten im Kopf aus Bildern oder aus Sprache bestehen. Wissen Kinder, dass Grimms Märchen nicht „wirklich“ sind? Lernen sie aus „Rotkäppchen“, dass ein Wolf etwas anderes ist als ein Wauwau? Und sind mündlich tradierte Geschichten Literatur? Von den evolutionsgeschichtlichen und den persönlichen Anfängen der Beschäftigung mit Literatur haben wir gesprochen, von Sigmund Freud und von Dystopie: Die Gäste des Salons haben auch diesmal bewiesen, dass das frei fließende Gespräch entlang eines Themas informativ und anregend ist. Wieder gab es ein paar Buchtipps, ich erwähne „Die Bücherdiebin“ von Markus Zusak und „Making History“ von Stephen Fry.

Ich habe mich gefreut, dass wir neue Teilnehmerinnen und zwei besondere Gäste von der East Coast begrüßen durften. Und es ist schön zu sehen, dass es schon eine treue Kerngruppe von Salonbesuchern gibt, die sich rege am Gespräch beteiligen. Die nächste Gelegenheit für einen freundlichen Austausch, bei dem auch Widerspruch ein Gewinn ist, gibt es voraussichtlich am 18. Mai. Details demnächst hier im Blog und per Newsletter.

Von Anfang an

Gestern hat das zweite Kaffeehausgespräch in Davis stattgefunden und es war auch diesmal ein lebhafter Austausch. Von Anfang an hat sich auch hier die Form des offenen Salons bewährt. Neben vier „Stammgästen“ gab es gestern noch fünf neue Gäste zu begrüßen. Drei davon haben sich ganz spontan dem Gespräch angeschlossen.

Nach einem bewegten Auftakt wurden Lieblingsbücher und Lieblingsgedichte besprochen. Bei der bevorzugten Lektüre zeigte sich ein breites Spektrum an Genres und Epochen. Generell kann ich feststellen, dass die Gäste der Kaffeehausgespräche eine Tendenz haben, das Brett an der dicksten Stelle anzubohren. Und so wurde angeregt über eine englische Übersetzung von Rilkes Gedicht „Der Panther“ diskutiert. Damit ließ sich auch ein Bogen zum ersten Kaffeehausgespräch schlagen.

Mehrere Gedichte wurden gestern zu Gehör gebracht, aber es wurde auch über „Alice in Wonderland“ und über den Roman „Engel des Vergessens“ von Maja Haderlap gesprochen. Das Gespräch führte uns auf die Frage nach der Übersetzbarkeit von Wortspielen. Da eines der präsentierten Lieblingsgedichte „Das ästhetische Wiesel“ war, möchte ich hier einen Lektüretipp nachtragen: Christian Morgenstern: „Galgenlieder und andere Gedichte. Gallows Songs and other Poems, ausgewählt und ins Englische übertragen von Max Knight“ Piper, München 1972.

Die Kaffeehausgespräche in Davis werden weitergehen. Geplant ist das nächste Treffen für Freitag, 20. April 2012, 16.00-18.00 in der Konditorei, in der wir auch gestern mit sehr guten Mehlspeisen versorgt wurden. Thema des nächsten Gesprächs werden “Anfänge” sein. Näheres bald hier im Blog oder per Newsletter.

Das erste kalifornische Kaffeehausgespräch

Eine bunte Gruppe von Interessierten hat sich heute in der „Konditorei“ eingefunden, um über das Thema „Übersetzungen“ zu sprechen. Ich war überrascht über die Vielfalt der Zugänge zur Zwei- und Mehrsprachigkeit. Von der Beschäftigung mit fiktiven Dolmetschern, von der Freude an der Sprache und über die Schwierigkeit sie zu lehren, vom Vorteil der Lektüre in einer Fremdsprache, vom stilistischen Verbessern von (banaler) Literatur durch Übersetzung und von den einsamen Mühen des Übersetzens – es war ein weiter Bogen, den wir im Gespräch gespannt haben.

Ich habe heute viel Neues darüber gelernt, wie man die deutsche Sprache und Literatur betrachten kann; und dass man sie mögen kann, auch wenn sie manchmal ganz schön kompliziert und unlogisch ist. Und ich glaube, dass die Salongäste aus eigener Erfahrung Wilhelm v. Humboldts Aussage zustimmen: Es „liegt in jeder Sprache eine eigenthümliche Weltansicht“ – oder auch: „in every language [rests] a specific world view“ (Übersetzung Gunter Senft); oder: „there resides in every language a characteristic world-view“ (Übersetzung Peter Heath).

Herzlichen Dank an alle Salongäste!

Und Dank auch an Gloria und Albert von der Die Atmosphäre ist sehr angenehm, und das ist bei einem Salon ja auch sehr wichtig.

Das nächste Treffen wird am Freitag, 23. März, stattfinden. Details werden hier im Blog und per Newsletter bekanntgegeben.

Salonwandel

Das letzte Kaffeehausgespräch des Jahres und bis auf weiteres in der bisherigen Zusammensetzung war ein würdiger Abschluss und zugleich ein Auftakt für eine Fortführung des Salons.

Eigentlich sollte es bei dem gestrigen Treffen um das Kaffeehaus, um den Ort und die Inspiration und um Kaffeehausliteratur gehen. Nachdem Salonherr Detlef eine Liste von Themen der Kaffeehausgespräche seit ihrer Gründung vorgelesen hat, wurde das Gespräch dann aber doch sehr selbstbezüglich. Und es stellte sich heraus, dass eine Fortsetzung der Kaffeehausgespräche mit einem oder mehreren anderen Gastgeber(n) gewünscht wird. Das sollte doch möglich sein, und so liegt das Projekt „Kaffeehausgespräche. Der Salon in Hamburg“ nicht für die nächsten zwei Jahre auf Eis, sondern wird hoffentlich neue Gestalt annehmen. Informationen dazu wird es in diesem Blog und per Newsletter geben.

Ich habe mich gefreut, dass gestern viele der Stamm-Salongäste anwesend waren, unter anderem auch die Ideen- und Namensgeberin der Kaffeehausgespräche. Und es hat sich gezeigt, dass in dieser Gesprächsrunde mit Leichtigkeit und Gewinn ein Bogen von Jürgen Habermas und seinem „Strukturwandel der Öffentlichkeit“ zur Cremeschnitte im Demel zu schlagen ist.

Dank an alle Gäste, die sich seit April 2008 regelmäßig – an jedem dritten Donnerstag im Monat, so ungefähr – im Salon eingefunden haben! Und viel Vergnügen bei der Fortsetzung!

Die Literatur und ihr Ort

Das gestrige Kaffeehausgespräch mit dem Thema „Literarische Schwergewichte: Thomas Mann“ ist auf großes Interesse gestoßen. Rege wurde über den Zauberberg und seinen Schauplatz, über die „Buddenbrooks“ und ihre Langeweile und über die sinnliche Qualität der Erzählungen von Thomas Mann gesprochen.

Aufbauend auf der Einleitung, in der die Idee vom Erfolgsschriftsteller historisch hergeleitet wurde (mit Hilfe von Zedlers Universallexikon) wurde als weiterer Schriftsteller, der sich im Sinne Goethes als solcher selbst inszeniert, Martin Walser genannt. Aber auch über die Gegenbeispiele Robert Musil und Robert Walser wurde gesprochen.
Ich danke allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für den Gedankenaustausch!

Weiter geht es mit den Kaffeehausgesprächen am 15. Dezember. Dann werden wir uns selbstreflexiv mit dem Kaffeehaus beschäftigen.

Autoritäten

Gestern gab es bei den Kaffeehausgesprächen eine Neuerung: Die Gast-Salonière Philine Gaffron erweiterte das Themenspektrum und sprach zur Einleitung über gute und schlechte Wissenschaft. Mit einem anschaulichen Beispiel wurde vorgeführt, wie schwierig es sein kann, zu einer zuverlässigen Aussage zu kommen und dass daher Vorsicht geboten ist bei den vielen – durch verkürzenden Journalismus vermittelten – Wissenschaftsmeldungen in den Massenmedien.

In der Diskussion stellte sich heraus, dass  gegenüber Forschungsergebnissen generell ein gewisses Misstrauen herrscht. Und dass der Verdacht besteht, dass nur belegt und bewiesen wird, wofür die Geldgeber bezahlt haben. Ausgehend von der Medizin landeten wir im Gespräch bei dem Einfluss des Mondes auf die Erde. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Bemerkung , dass Heinrich Kleist über Kants Beweis, dass es kein gesichertes Wissen geben kann, in Depressionen verfallen sei.

Das nächste Kaffeehausgespräch findet am Donnerstag dem 17. November statt. Thema: Thomas Mann und das Phänomen des Großschriftstellers

Wissensvermittlung

Beim letzten Kaffeehausgespräch ging es um Schullektüre. Nachdem uns der Salonherr zur Einstimmung die Lehrer-Lämpel-Explosion aus “Max und Moritz” zu Gehör gebracht hat, ging es um gute und schlechte Lehrer, um die Sinnhaftigkeit von Lektürelisten und um ideologische Ausrichtung. Ich danke allen Gästen dafür, dass sie ihre sehr unterschiedlichen Erfahrungen mit uns geteilt haben, ganz besonders der anwesenden Lehrerin für die fachlichen Hinweise!

Apropos Hinweis: Am Dienstag dem 18. Oktober um 19.00 gibt es das nächste Kaffeehausgespräch. Dann wird die Gast-Gastgeberin Dr. Philine Gaffron unter dem Titel “Die Wissenschaft hat festgestellt…” über Wissensproduktion und -erzählung sprechen. Näheres wie immer demnächst hier im Blog und per Newsletter.

Das war der Bloomsday

Gestern gab es ein heiteres und anspielungsreiches Kaffeehausgespräch – dem Bloomsday angemessen -, das von einer Rezitation aus dem 18. Kapitel des “Ulysses” eingeleitet wurde und sehr davon profitierte. In der Runde konnten zwei neue Teilnehmer begrüßt werden, eine erfreuliche Erscheinung bei unserem siebenunddreißigsten Treffen im Salon! Seit gestern weiß ich, dass der Bloomsday auch in Ottakring feierlich begangen wird und dass “Der Name der Rose” ein zweisprachiges Buch ist. Ich danke allen Salongästen herzlich für ihre rege Teilnahme!

Weiter geht es am 21. Juli mit “Literatur und Musik”.

Sport im Gespräch

Bei unserem Kaffeehausgespräch am vergangenen Donnerstag ging es um Sport, um Literatur und auch um Literatur und Sport. Wir wurden über ein Interview mit Marcel Reich-Ranicki informiert, über Literatur über Sport, ein Gedicht von Joachim Ringelnatz, über Wettkämpfe und Wetten in der Antike und – das konnte nicht ausbleiben – über die symbolische Bedeutung von Sport im neunzehnten Jahrhundert.

Ich danke allen Gästen des Salons für ihren Sportsgeist!

Weiter geht es mit den Kaffeehausgesprächen am 16. Juni. Aus gegebenem Anlass beschäftigen wir uns an diesem Tag mit James Joyce.

Literatur aus allen Richtungen

Gestern, bei der 35. Auflage der Kaffeehausgespräche, konnten wir einen neuen Gast begrüßen, der sich auch gleich äußerst bereichernd mit seinen Erfahrungen einbrachte. Bei dem Gespräch zum Thema Literatur aus Ost- und Westdeutschland habe ich viele neue Dinge erfahren, viele Einblicke gewonnen und ich wurde in meiner Vermutung bestätigt, dass die Frage nach einer gemeinsamen deutschen Literatur mitnichten eine ausschließlich politische ist. Denn es zeigt sich z.B., dass die Andeutungskunst auch ohne äußeren Zwang weiterlebt und dass die Verwendung typischer DDR-Begrifflichkeiten als Stilmittel in die neueste deutsche Literatur eingeht. Ich danke allen Teilnehmer/innen für den anregenden Abend und unserem Gastgeber vom Kulturcafé Chavis für seine Geduld – das Treffen hat gestern ganz besonders lange gedauert.

Weiter geht es am 19. Mai 2011, 19.00, mit “Literatur und Sport”

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