Kaffeehausgespräche

Autorenarchiv

Der Zufall in der Literatur

Wer kennt das nicht: da hat sich eine Geschichte gnadenlos verwirrt und verzettelt, sodass nur noch – Hokuspokus –  ein wunderbarer Zufall das Happy End retten kann. Doch zurück bleibt oft ein schaler Geschmack, denn allzu konstruierte und unwahrscheinliche Zufälle wirken unglaubwürdig und befriedigen uns Leserinnen und Leser nicht.
Dabei hat der Zufall in der Literatur eine lange Tradition. Schon in der Antike begegnet er uns als Deus ex machina, und auch im klassischen Western wird der Held oft genug erst in letzter Sekunde durch das Eingreifen der Kavallerie gerettet.
Aber beruht nicht der Verlauf jeder Geschichte im Grunde auf Zufällen? Wenn ein Mann und eine Frau sich im Café begegnen und sich ineinander verlieben – ist das Zufall oder Schicksal? Ist ein Zufall im literarischen  Sinn vielleicht nur ein Ereignis, dessen Vorgeschichte wir nicht kennen? Was macht einen Zufall in der Geschichte glaubwürdig, ab wann sträuben sich uns die Nackenhaare, weil das niemals so gewesen sein kann?
Über diese und andere Fragen wollen wir mit allen diskutieren, die am Mittwoch, 15. April, um 19:30 Uhr zufällig im Café Heile Welt in der Weidenallee 10b in Hamburg vorbeischauen.

ORT: Café Heile Welt, Weidenallee 10 b (Hinterhof), 20357 Hamburg
ZEIT: Mittwoch, 15. April 2009, 19:30 Uhr
Der Eintritt ist frei

Helden wie wir?

Als Held oder Heldin wird die Figur bezeichnet, deren Geschichte in einem Buch erzählt wird. Doch wie sehen sie aus, diese Helden und Heldinnen? Sind sie wie wir, mit unserem vielleicht beschaulichen Alltag, den Wehwehchen, Sorgen und Zweifeln? Dürfen Helden auch langweilig, hässlich oder gar unsympathisch sein?
Beim Kaffeehausgespräch im Januar widmen wir uns dem Bild des Helden und der Heldin im Buch. Während im klassischen Drama der Held die Aufgabe hatte, dem hochstehenden Publikum respektive Leser vor Augen zu führen, dass er auch nur ein Mensch sei, erinnern heutige Helden, zumal in der Unterhaltungsliteratur, oft an Märchenprinzen, die zahlreiche Abenteuer überstehen müssen, um am Ende doch die schöne Prinzessin heiraten zu können. Wahlweise können auch arme Bauernburschen, misshandelte Stieftöchter oder sonstige Benachteiligte das große Los ziehen und nebenbei noch die Welt retten. Diese Helden sollen den Leser nicht zur Demut anregen, sondern im Gegenteil Mut machen.

Welche Helden und Heldinnen kennen wir aus der Literatur? Welche Helden sind uns besonders sympathisch, über welche ärgern wir uns, welche wünschen wir uns als beste Freunde und welche bewundern wir wie Götter?
Diskutieren sie mit uns über melancholische Kriminalbeamte, hochbegabte Superhelden und scheinbar unbesiegbare Retter der Welt.

ZEIT: Donnerstag, 15. Januar 2009, 19:30 Uhr
ORT: Wie es Euch gefällt, Juliusstr. 16, 22769 Hamburg

Der Eintritt ist frei.

Das geht immer – Das Buch als Geschenk

Passend zur Weihnachtszeit widmen wir uns der Frage, welche Tücken und Gefahren beim Verschenken von Büchern drohen können. Zerbrochene Ehen, auf Generationen zerstrittene Familien, Dramen, Tränen, Leid und Not – und das nur, weil ein Buch manchmal mehr ist als ein Buch. Genauso können verschenkte Bücher natürlich auch Gutes bewirken – Ehen stiften, zerstrittene Familien glücklich wieder vereinen, Trost spenden, Tränen trocknen und Freude bringen.

Ist die Gefahr, dass es als Wink mit dem Zaunpfahl missverstanden wird, bei Buchgeschenken größer als bei anderen Geschenken? Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Verschenken von Büchern gemacht? Passt ein Buch wirklich immer, weil es für jede Gelegenheit die richtige Lektüre gibt? Schenken wir Bücher von Herzen, oder weil es so schön praktisch ist?
Zu einem Kaffeehausgespräch mit Lebkuchen und Anekdoten laden wir Sie herzlich ein.

ZEIT: Donnerstag, 18. Dezember 2008, 19:30 Uhr 
ORT: Wie es Euch gefällt, Juliusstr. 16, 22769 Hamburg
Der Eintritt ist frei.

Kaffeehausgespräche – Dichtkunst einst und heute

Von der Ars Poetica zum creative writing

Was ist ein gutes Buch? Diese Frage treibt alle um, die mit Büchern zu tun haben: Autoren, Verleger, Leser … Und wo eine Frage im Raum steht, gibt es auch bald jemanden, der eine Antwort zu geben versucht.

Schon Horaz versuchte im ersten Jahrhundert v. Chr. zu definieren, was einen guten Text ausmacht. Wer fortan als Schreibender erfolgreich sein wollte, hatte sich tunlichst an diese Regeln zu halten. Erst Goethe und die deutschen Romantiker lösten sich von den strengen Vorgaben der Väter und wagten mutig Neues. Fortan galt nicht mehr derjenige als wahrer Meister, der die Regeln der Kunst – und seine eigenen Grenzen – kannte  und beherrschte, sondern derjenige, der die reinste Seele hatte und den die Muse am leidenschaftlichsten geküsst hatte. Das Talent trat in den Vordergrund, und das lässt sich bekanntlich nicht erlernen – entweder, es ist da  oder eben nicht.

Heute lautet das Zauberwort creative writing, also kreatives Schreiben. Im englischen  Sprachraum sind sogenannte Schreibschulen schon längst etabliert; in Deutschland dagegen fängt man gerade damit an, misstrauisch beäugt von allen wahrhaft Talentierten. Könnte es sein, dass in der Kunst mehr Handwerk steckt als man bislang glaubte? Lässt sich das Schreiben womöglich erlernen? Wenn ja, an welche Regeln halte ich mich dabei am besten? An die aus der umfangreichen Ratgeberliteratur zum Thema (”Wie Sie einen verdammt guten Roman schreiben!”) – oder lohnt sich vielleicht doch ein Blick in die Ars Poetica?
Wie immer sind alle Anwesenden herzlich eingeladen, mitzudiskutieren.
Zum Thema passende Bücher dürfen gerne mitgebracht werden.

ORT: Wie es Euch gefällt, Juliusstr. 16, 22769 Hamburg
ZEIT: Donnerstag, 13. November 2008, 19:30 Uhr

Der Eintritt ist frei

Kaffeehausgespräche – Sprache in der Literatur

Fast jeder Mensch benutzt Sprache, jeden Tag und ganz selbstverständlich. Es ist ein Alltagswerkzeug, in dessen Gebrauch wir uns von klein auf üben.
Doch wie sieht es aus, wenn mit diesem Alltagswerkzeug Kunst — im weitesten Sinne — geschaffen werden soll? Welche Rolle spielt Sprache in der Literatur? Ist sie das zentrale Stilelement, hinter dem der Inhalt des Textes zurücktritt oder soll sie, unauffällig wie ein perfekter Diener, die Geschichte und die Charaktere ins rechte Licht rücken?
Sprache in der schönen Literatur ist nie die Alltagssprache, mit der wir uns unterhalten. Sie ist immer verfremdet, auch wenn sie den Anschein erweckt, authentisch zu sein. Doch wie viel Verfremdung verträgt ein Text? Während es in der Unterhaltungsliteratur darum geht, die Protagonisten in ihrer Sprache möglichst glaubwürdig darzustellen, gehört in der Lyrik das Experimentieren mit dem Werkzeug Sprache unbedingt dazu.
Beim Kaffeehausgespräch am 16. Oktober 2008 wollen wir uns diesem spannenden Thema widmen. Wie wichtig ist uns persönlich die Sprache eines Textes? Welchen Einfluss haben Autorinnen und Übersetzerinnen auf die Sprache? Wie viel Handwerk steckt im geschriebenen Wort?
Wie immer sind alle Anwesenden herzlich eingeladen, mitzudiskutieren. Zum Thema passende Bücher dürfen gerne mitgebracht werden.

ORT: Wie es Euch gefällt, Juliusstraße 16, 22769 Hamburg
ZEIT: Donnerstag, 16. Oktober 2008, 19:30 Uhr
Der Eintritt ist frei.

Kaffeehausgespräche – Was ist ein Internetroman?

Zugegeben, diese Frage war nicht das beherrschende Thema beim Kaffeehausgespräch im September. Schließlich bot die Überschrift “Literatur im Zeitalter des Internet” noch andere interessante Anknüpfungspunkte. Aber vor allem das Thema “Internetroman” ist bei mir persönlich hängen geblieben.Was also ist ein Internetroman? Reicht es dazu, einen Text, der genauso gut auf Papier gedruckt werden könnte, ins Internet zu stellen und damit den Verlag und die Druckereien auszuschalten? Wird ein Schreibprojekt allein dadurch zu einem Internetroman, dass sich mehrere Autoren und Autorinnen daran beteiligen? Oder dass das Buch nicht als fertiges Ganzes dem Leser präsentiert wird, sondern kapitelweise?
Nichts davon ist wirklich neu und ausschließlich an das Medium Computer/Internet gebunden.

Die Suche im Internet bei einer bekannten Suchmaschine liefert zwar viele Stichwörter, aber nur wenig Inhalte. Es gibt verschiedene Hinweise auf vier oder fünf so genannte Internetromane. Okay, vielleicht sind es auch zehn oder zwanzig. Meinetwegen auch fünfzig, ich will nicht kleinlich sein. Aber angesichts von ca. 70.000 Neuerscheinungen auf dem deutschen Buchmarkt auf der einen Seite und der rasanten Geschwindigkeit, mit der das Internet unseren Alltag unterminiert hat, auf der anderen Seite finde ich das erstaunlich wenig.

Warum gibt es nicht mehr Internetromane?

Sicherlich liegt es daran, dass das Lesen am Bildschirm nicht so viel Spaß bringt wie das Lesen in einem echten Buch. Die Vorstellung, mehrere hundert Seiten am Computer lesen zu müssen, schreckt ab. Und wenn dieser Roman noch nicht einmal etwas wirklich Neues bieten kann – warum soll ich mir da die Mühe machen, mir am Bildschirm die Augen wund zu lesen?

Das Internet bzw. der Computer allgemein bietet die Möglichkeit, sich von einer linearen Erzählstruktur zu lösen. Wir sind es gewohnt, dass ein Text am Anfang beginnt und am Ende aufhört, auch wenn der Inhalt des Textes durch Rückblenden, verschiedene Erzählperspektiven oder Zeitebenen verschachtelt sein kann. Das Internet ermöglicht es jedoch durch den Hypertext, eine ganz neue Erzählstruktur zu entwickeln. Die Geschichte muss nicht mehr auf einem gut ausgebauten vorgegebenen Weg durchschritten werden, sondern es kann unzählige Abzweigungen, Nebenstraßen, Sackgassen, Dschungelpfade oder Plätze geben, sodass der Leser sich von mehreren Seiten der Thematik annähern kann.

Die im Internet erschienenen Romane, von denen beim Kaffeehausgespräch die Rede war, allen voran “Neid” von Elfriede Jelinek, nutzen diese Möglichkeit nicht – bis auf einen. “253 – Der U-Bahn-Roman” von Geoff Ryman.

Ich persönlich denke, dass das Internet das Buch nicht verdrängen wird. Aber es wird die Welt des Lesens um eine spannende und interessante Variante erweitern.

Ob die dann noch “Roman” oder gar “Buch” heißen wird, sei dahingestellt.

Kaffeehausgespräche – Literatur im Zeitalter des Internet

Das Internet hat für viele von uns Veränderungen gebracht. Auch unser Umgang mit Büchern, unser Lesen und Schreiben und unsere Wahrnehmung von Literatur sind davon betroffen. Und zwar nicht nur im materielle Sinn, weil wir z. B. Bücher per Mausklick bestellen und Verlagswerbung in Form von bunten Bannern auf Websites sehen. Auch Netzliteratur, Hypertext mit literarischem Anspruch, kollektive Schreibprojekte und virtuelle Romane sind alltäglich geworden — oder doch nicht? Dieser Frage wollen wir in unserem nächsten Kaffeehausgespräch nachgehen. In einer kurzen Einleitung soll anhand von Beispielen geklärt werden, was Hypertext-Literatur sein könnte. Und dann möchten wir darüber sprechen, ob wir heute aufgrund des Internets anders lesen und anders mit Büchern umgehen, als vor zehn Jahren.

ZEIT: 18. September 2008, 19:30 Uhr
ORT: Wie es euch gefällt, Juliusstraße 16, 22769 Hamburg
Der Eintritt ist frei.

Kaffeehausgespräche – Schön(gemacht)e Bücher

Sobald es um Gestaltung und Design geht, gilt die Regel: im Idealfall passen Form und Inhalt harmonisch zusammen, ergänzen und unterstützen einander. Bücher machen da keine Ausnahme. Wer Bücher liebt, kennt das andächtige Staunen, das einen befällt, wenn man ein wunderschönes Buch in den Händen hält. Doch sagt die Gestaltung auch etwas über den Inhalt aus?
Nicht jedes schön gemachte Buch hat auch einen guten Inhalt, und schöne Texte sind auch im schlichten Gewand zu finden.
Nach einem kurzen Ausflug in die Geschichte und die Technik des Druckens wollen wir uns der Frage widmen: Wie wichtig sind uns schnöde Äußerlichkeiten beim Lesen?
Beispiele dürfen gerne mitgebracht werden!

ZEIT: 21. August 2008, 19:30 Uhr
ORT: Wie es euch gefällt, Juliusstraße 16, 22769 Hamburg
Der Eintritt ist frei.

Das vierte Kaffeehausgespräch

Beim vierten Kaffeehausgespräch ging es um Freiherrn Knigge und gutes Benehmen. Der adlige Herr hatte mit seinem Werk “Über den Umgang mit Menschen” keinen Verhaltensratgeber geschrieben, sondern vielmehr dazu aufgerufen, mit allen Menschen, gleich welcher sozialer oder geografischer Herkunft, einen gemeinsamen respektvollen Umgangston zu finden.

Die heutigen Benimmbücher – auch die, die den Namen Knigge im Titel führen – haben damit weniger zu tun. In der Regel soll das gute Benehmen dem eigenen (beruflichen und gesellschaftlichen) Vorwärtskommen dienen. Das Beherrschen der Benimmregeln dient der Abgrenzung nach unten und schafft somit neue Mauern, anstatt sie einzureißen.

Das Gespräche drehte sich u.a. um die Frage, wo denn genau die Grenze verläuft zwischen gesellschaftlich sinnvollen Umgangsformen und Ritualen, die der Abgrenzung dienen. Leider konnten wir diese Frage nicht abschließend klären …
Dass das, was als “gute Benehmen” gilt, sich von einem Kulturkreis zum anderen z.T. ganz erheblich voneinander unterscheiden kann, hat wohl jeder, spätestens im Ausland, schon einmal erfahren. In einer globalisierten Welt sind wir immer öfter damit konfrontiert, dass zwei sich nicht einig sind, “was sich gehört”, weil sie beide unterschiedliche Dinge gelernt haben. Ein Bewusstsein dafür, dass in anderen Kulturen andere Regeln der Höflichkeit gelten können (und das die eigenen nicht automatisch “die besten” sind), würde das Zusammenleben schon erheblich erleichtern.

Und ja, Bücher können einen sehr großen Einfluss auf die Umgangsformen im weitesten Sinne haben. Besonders gut erkennbar wird das an Beispielen von Kinderbüchern – oder bei Literatur, die aus einer anderen Kultur oder Zeit stammt. Bücher sind, ganz nebenbei, auch immer Vermittler von Sitten und Gebräuchen.

Das nächste Kaffeehausgespräch findet am dritten Donnerstag im August, am 21. 8. 2008, um 19.30 im Wie es Euch gefällt in der Juliusstraße statt. Das Thema wird noch rechtzeitig bekannt gegeben

Kaffeehausgespräche – Benimmbücher

In unserem vierten Kaffeehausgespräch machen wir uns auf die Suche nach Manieren im Buch, und zwar nach guten und schlechten. Auch Bücher, in denen es auf den ersten Blick gar nicht um Umgangsformen geht, können unser Verhalten anderen gegenüber beeinflussen. Das führt uns zu der Frage, was Lektüre mit den Regeln der menschlichen Miteinanders zu tun hat. Ist jedes Buch in gewissem Sinne nicht auch ein Benimm-Buch?

Nach einer Einleitung über den Freiherrn von Knigge könnten wir uns z.B. mit der Frage beschäftigen, ob die Lektüre von Hesse dazu beiträgt, gute Manieren zu entwickeln. Ob nicht jedes Buch neben der Geschichte auch Hinweise darauf enthält, wie man sich in welchen gesellschaftlichen Gruppen zu verhalten hat. Sprache spielt dabei eine ganz besondere Rolle, da darüber leicht die Zugehörigkeit zu einer Gruppe geschaffen werden kann.

Wer erfolgreich sein will, muss sich benehmen können und die richtige Sprache beherrschen. Doch heute scheint es mehr um die äußeren Formen zu gehen als die Grundidee eines friedlichen Zusammenlebens, die Freiherr von Knigge noch im Kopf hatte. Ganz so, als ließe sich die existierende Benachteiligung durch die soziale Herkunft durch ein paar Kurse über den korrekten Umgang mit dem Fischbesteck ausgleichen.

ZEIT: 17. Juli 2008, 19:30
ORT: Wie es Euch gefällt, Juliusstraße 16, 22769 Hamburg

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