Kaffeehausgespräche

Archiv für Juli 2008

Das vierte Kaffeehausgespräch

Beim vierten Kaffeehausgespräch ging es um Freiherrn Knigge und gutes Benehmen. Der adlige Herr hatte mit seinem Werk “Über den Umgang mit Menschen” keinen Verhaltensratgeber geschrieben, sondern vielmehr dazu aufgerufen, mit allen Menschen, gleich welcher sozialer oder geografischer Herkunft, einen gemeinsamen respektvollen Umgangston zu finden.

Die heutigen Benimmbücher – auch die, die den Namen Knigge im Titel führen – haben damit weniger zu tun. In der Regel soll das gute Benehmen dem eigenen (beruflichen und gesellschaftlichen) Vorwärtskommen dienen. Das Beherrschen der Benimmregeln dient der Abgrenzung nach unten und schafft somit neue Mauern, anstatt sie einzureißen.

Das Gespräche drehte sich u.a. um die Frage, wo denn genau die Grenze verläuft zwischen gesellschaftlich sinnvollen Umgangsformen und Ritualen, die der Abgrenzung dienen. Leider konnten wir diese Frage nicht abschließend klären …
Dass das, was als “gute Benehmen” gilt, sich von einem Kulturkreis zum anderen z.T. ganz erheblich voneinander unterscheiden kann, hat wohl jeder, spätestens im Ausland, schon einmal erfahren. In einer globalisierten Welt sind wir immer öfter damit konfrontiert, dass zwei sich nicht einig sind, “was sich gehört”, weil sie beide unterschiedliche Dinge gelernt haben. Ein Bewusstsein dafür, dass in anderen Kulturen andere Regeln der Höflichkeit gelten können (und das die eigenen nicht automatisch “die besten” sind), würde das Zusammenleben schon erheblich erleichtern.

Und ja, Bücher können einen sehr großen Einfluss auf die Umgangsformen im weitesten Sinne haben. Besonders gut erkennbar wird das an Beispielen von Kinderbüchern – oder bei Literatur, die aus einer anderen Kultur oder Zeit stammt. Bücher sind, ganz nebenbei, auch immer Vermittler von Sitten und Gebräuchen.

Das nächste Kaffeehausgespräch findet am dritten Donnerstag im August, am 21. 8. 2008, um 19.30 im Wie es Euch gefällt in der Juliusstraße statt. Das Thema wird noch rechtzeitig bekannt gegeben

Kaffeehausgespräche und Zeitung

Das vierte Kaffeehausgespräch fand ein Echo in der Tagespresse. Das Hamburger Abendblatt berichtete darüber unter dem Titel “Benimmregeln? Wie es euch gefällt!”

Kaffeehausgespräche – aus Liebe zum Buch

Wie beeinflussen Bücher unser Denken und Handeln? Was macht ein Buch zu einem guten Buch? Welches Buch hat Sie besonders berührt? Aus welchem Grund?

Diesen und anderen Fragen rund ums Lesen und Schreiben wollen wir in unserer Veranstaltungsreihe “Kaffeehausgespräche” nachspüren. Mit einer kurzen Einleitung – zum Beispiel einer kurzen Leseprobe – und ein paar eigenen Fragen oder Anmerkungen geben wir das Thema des Abends vor. Der Rest wird sich von allein entwickeln, im Austausch und Gespräch mit allen, die gekommen sind und mitreden wollen. Mit den Kaffeehausgesprächen möchten wir die Tradition der Salons des 19. Jahrhunderts pflegen, in denen unverbindlich und halböffentlich geplaudert wurde. Nicht einzelne Werke, Autorinnen oder Autoren sollen an diesem Abend im Mittelpunkt stehen, sondern die Gedanken der Leser dazu.

Daneben wollen wir uns auch ganz praktischen Fragestellungen zum Thema Buch widmen. Welchen Einfluss haben Übersetzungen auf die Qualität eines Textes? Wo genau verläuft die Trennlinie zwischen “Literatur” und “Unterhaltung”?

Ein Mal im Monat laden wir Sie ein, mit uns zu diskutieren, neue Anregungen zu erhalten und zu geben.

Kaffeehausgespräche empfiehlt S.T.I.L. e.V.

S.T.I.L. (Sprache-Text-Interpretation-Literatur) e. V. ist ein gemeinnütziger Verein in Hamburg, der mit eigenen Veranstaltungen die Begegnung mit Literatur fördert. Der Sprache als Mittel der Literatur, dem Text als Verkörperung der literarischen Kunst, der Interpretation durch den, der liest, – Schauspieler, Schriftsteller, Leser -, der Literatur als Ausdruck der inneren Welt und der Bilder im Kopf gilt die Arbeit des Vereins. Experimente bei der Programmgestaltung sind eingeplant, einschließlich musikalischer Zwischenspiele.

Konkret werden jährlich zwischen 15 und 20 Veranstaltungen angeboten. Mit einer besonderen Mischung aus Literatur und Musik weckt S.T.I.L. e. V. die Freude am Text und vertieft das Wissen vom Sprachgebrauch in der Kunst. S.T.I.L. e. V. holt Bücher aus dem Regal – alte oder neue, wie es gerade kommt – und stellt sie vor. Schauspieler lesen, Musiker spielen ausgesuchte Musik, manchmal sind Autoren anwesend und lesen ihre Texte selbst – zusammen mit der Moderation ein nachhaltiger Hörgenuss!

Wer Mitglied wird oder etwas spendet, fördert die Präsentation interessanter, anspruchsvoller Literatur in kleinen Theatern, Cafés, Buchhandlungen und anderen geeigneten Orten überall in Hamburg und damit die kulturelle Vielfalt im jeweiligen Quartier.

Kaffeehausgespräche – was noch kommt

Für die nächsten Male stellen wir uns folgende Themen vor:

  • Welchen Einfluss können Bücher auf persönliche Entscheidungen haben?
  • Darf man in Sachbüchern auch abends im Bett schmökern?
  • Comics – Kult oder Kultur?
  • Literatur in den Zeiten des Internet
  • Biografien – Wie aus dem Leben gegriffen.
  • Nicht nur der Inhalt zählt! Von schön(gemacht)en Büchern
  • Zensur
  • Übersetzen als Kulturtransferleistung
  • Zitate
  • Rezensionen
  • Verfällt der Sprache? Über Anglizismen und mangelhaftes Deutsch
  • Umgangssprache in der Literatur

Für weitere Themenvorschläge sind wir offen.

In der Regel finden die Kaffeehausgespräche jeden dritten Donnerstag im Monat
um 19:30 Uhr im Wie es Euch gefällt in der Juliusstraße 16 statt.

Kaffeehausgespräche – Benimmbücher

In unserem vierten Kaffeehausgespräch machen wir uns auf die Suche nach Manieren im Buch, und zwar nach guten und schlechten. Auch Bücher, in denen es auf den ersten Blick gar nicht um Umgangsformen geht, können unser Verhalten anderen gegenüber beeinflussen. Das führt uns zu der Frage, was Lektüre mit den Regeln der menschlichen Miteinanders zu tun hat. Ist jedes Buch in gewissem Sinne nicht auch ein Benimm-Buch?

Nach einer Einleitung über den Freiherrn von Knigge könnten wir uns z.B. mit der Frage beschäftigen, ob die Lektüre von Hesse dazu beiträgt, gute Manieren zu entwickeln. Ob nicht jedes Buch neben der Geschichte auch Hinweise darauf enthält, wie man sich in welchen gesellschaftlichen Gruppen zu verhalten hat. Sprache spielt dabei eine ganz besondere Rolle, da darüber leicht die Zugehörigkeit zu einer Gruppe geschaffen werden kann.

Wer erfolgreich sein will, muss sich benehmen können und die richtige Sprache beherrschen. Doch heute scheint es mehr um die äußeren Formen zu gehen als die Grundidee eines friedlichen Zusammenlebens, die Freiherr von Knigge noch im Kopf hatte. Ganz so, als ließe sich die existierende Benachteiligung durch die soziale Herkunft durch ein paar Kurse über den korrekten Umgang mit dem Fischbesteck ausgleichen.

ZEIT: 17. Juli 2008, 19:30
ORT: Wie es Euch gefällt, Juliusstraße 16, 22769 Hamburg

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