Beim vierten Kaffeehausgespräch ging es um Freiherrn Knigge und gutes Benehmen. Der adlige Herr hatte mit seinem Werk “Über den Umgang mit Menschen” keinen Verhaltensratgeber geschrieben, sondern vielmehr dazu aufgerufen, mit allen Menschen, gleich welcher sozialer oder geografischer Herkunft, einen gemeinsamen respektvollen Umgangston zu finden.
Die heutigen Benimmbücher – auch die, die den Namen Knigge im Titel führen – haben damit weniger zu tun. In der Regel soll das gute Benehmen dem eigenen (beruflichen und gesellschaftlichen) Vorwärtskommen dienen. Das Beherrschen der Benimmregeln dient der Abgrenzung nach unten und schafft somit neue Mauern, anstatt sie einzureißen.
Das Gespräche drehte sich u.a. um die Frage, wo denn genau die Grenze verläuft zwischen gesellschaftlich sinnvollen Umgangsformen und Ritualen, die der Abgrenzung dienen. Leider konnten wir diese Frage nicht abschließend klären …
Dass das, was als “gute Benehmen” gilt, sich von einem Kulturkreis zum anderen z.T. ganz erheblich voneinander unterscheiden kann, hat wohl jeder, spätestens im Ausland, schon einmal erfahren. In einer globalisierten Welt sind wir immer öfter damit konfrontiert, dass zwei sich nicht einig sind, “was sich gehört”, weil sie beide unterschiedliche Dinge gelernt haben. Ein Bewusstsein dafür, dass in anderen Kulturen andere Regeln der Höflichkeit gelten können (und das die eigenen nicht automatisch “die besten” sind), würde das Zusammenleben schon erheblich erleichtern.
Und ja, Bücher können einen sehr großen Einfluss auf die Umgangsformen im weitesten Sinne haben. Besonders gut erkennbar wird das an Beispielen von Kinderbüchern – oder bei Literatur, die aus einer anderen Kultur oder Zeit stammt. Bücher sind, ganz nebenbei, auch immer Vermittler von Sitten und Gebräuchen.
Das nächste Kaffeehausgespräch findet am dritten Donnerstag im August, am 21. 8. 2008, um 19.30 im Wie es Euch gefällt in der Juliusstraße statt. Das Thema wird noch rechtzeitig bekannt gegeben